Meditation zum 4. Fastensonntag
Liebe sei Tat – im Sehen
Johannes 9,1-41

Ein Leben
am Rand.
Ein Mensch
blind geboren.
In einer Welt aus
Klang und Berührung,
Stimmen und Schritten,
Wind und Wetter.
Ein Mensch
am Rand.
Nicht gesehen – nur beurteilt.
Sie sprechen von Sünde.
Doch Jesus
sieht hin,
sieht ihn -
als Mensch.
Erde, Speichel, Berührung – und ein Auftrag:
„Geh und wasche dich.“
Der Mensch geht. Und sieht.
Sein Sehen
erschrickt die anderen.
Ich sehe die Kinder.
Sie handeln.
Sie spielen.
Sie sorgen sich umeinander.
Sie leben, was der Geheilte erfährt:
Ein anderes Sehen.
Ein Sehen, das nicht urteilt.
Ein Sehen, das verbindet.
Die Welt erkennt den Geheilten nicht.
Die Nachbarn zweifeln.
Die Frommen fragen.
Die Eltern fürchten.
Die Gelehrten verurteilen.
Und der Sehende
wird wieder ausgeschlossen.
Jesus sucht den Geheilten.
Noch einmal.
„Glaubst du?“
Der Sehende erkennt.
Nicht mit den Augen.
Sondern mit dem Herzen.
Er sagt: „Ich glaube.“
Die Kinder träumen gemeinsam
von einer gerechten und friedlichen Welt.
Der Geheilte glaubt.
Die Kinder handeln.
Beide sehen -
aus Liebe heraus.
Und ich?
Bin ich bereit, mich berühren zu lassen?
Bin ich bereit, hinzusehen?
Bin ich bereit, zu handeln?
Liebe sei Tat.
Tat, die sehend macht.
Tat, die Grenzen überwindet.
Tat, die Licht bringt in die Dunkelheit.
Einführung zu den Meditationen
Bildausschnitt: Hungertuch von Konstanze Trommer, (c)Misereor
Texte: Hannah Braucks, Misereor



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