Meditation zum Karfreitag
Liebe sei Tat – im Verrat
Matthäus 26,14 - 27,66

Es beginnt leise.
Ein Gespräch im Schatten,
Silberstücke,
ein Blick, der sich abwendet.
Und doch:
Ich sehe den Sturm.
Denn die Nacht trägt schon das Kreuz in sich.
Ein letztes Brechen des Brotes.
Ein Mahl,
im Angesicht des Todes.
Eine Gemeinschaft,
als Vorbote des Verrates.
„Nehmt und esst; das ist mein Leib.“
Er weiß es.
Doch sie können nicht glauben.
„Ich werde dich nie verleugnen!“
Ein Garten.
Schritte im Dunkel.
Angst vor dem, was da kommt.
Der Wunsch,
verschont zu bleiben.
Denn: Jesus ist auch Mensch.
„Bleibt hier und wacht mit mir!“
Sie sollen wachen
wie die Kinder
auf dem Sandstreifen.
Doch der Schlaf
ist stärker
als der Bund
der Freundschaft.
Ein Kuss.
Freunde fliehen,
Schwerter blitzen.
„Ich kenne ihn nicht.“
Vor dem Richter
steht der,
der niemandem Richter sein wollte.
Die Menge ruft:
Kreuzige ihn!
Ein Weg durch die Stadt,
schwer von Holz,
schwer von Schuld,
schwer von Liebe.
Gesichter am Rand:
Manche weinen,
manche spotten,
manche schweigen.
Dann der Hügel,
die Nägel,
das Wort:
Mein Gott, warum?
Verlassen.
Und das Schweigen,
das alles füllt.
Bis der Vorhang reißt
und die Erde bebt.
Der Sturm
war stärker,
glauben sie.
Ein Grab,
ein Stein,
eine Nacht ohne Morgen.
Alles scheint verloren.
Alles scheint zu Ende.
Und doch –
irgendwo,
im tiefsten Dunkel,
ein Lichtstreif
am Horizont.
Wie goldene Streifen,
die das Zelt einrahmen.
Gott ist,
wo der Sturm tobt.
Liebe bleibt nicht Wort,
sie wird Tat –
Liebe als Tat
vollendet
am Kreuz.
Einführung zu den Meditationen
Bildausschnitt: Hungertuch von Konstanze Trommer, (c)Misereor
Texte: Hannah Braucks, Misereor






