Meditation zum Gründonnerstag
Liebe sei Tat – im Dienen
Johannes 13,1-15

Die Stunde ist nah.
Er weiß es.
Er weiß,
um den Verrat
um die Flucht
um das Schweigen.
Und doch
steht er auf.
Bindet sich ein Tuch um.
Kein Thron,
kein Zeichen der Macht.
Nur Wasser,
ein Tuch,
Hände,
die sich beugen.
Liebe,
die sich klein macht,
um groß zu werden.
Wasser.
Hände.
Füße.
Liebe kniet.
Liebe berührt.
Liebe wird Tat.
„Ihr nennt mich Meister und Herr –
und ich wasche euch die Füße.“
Ein König,
der kniet.
Ein Gott,
der dient.
Ein Weg,
der über Hingabe führt.
Draußen teilt sich der Himmel.
Links stilles Blau,
rechts zieht ein Sturm auf.
Eine schmale Stelle Land,
kaum mehr als eine Sandbank.
Kinder, die anpacken,
ein weißes Zelt, geöffnet.
Seine Spitze tastet den Himmel,
als hörte sie jeden Ruf.
Drinnen beugt er sich zu den Seinen,
beugt er sich zu mir:
„Ich habe euch ein Beispiel gegeben …“
Und ich frage mich:
Wo folge ich ihm nach?
Denn:
Er weiß es.
Er sieht den Sturm.
Und wählt die Liebe.
Ja, heute Nacht
ist Liebe nicht Gefühl,
sondern Handlung.
Ein Beugen, ein Reinigen, ein Beginnen.
“Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe.“
So einfach.
So gefährlich.
So radikal.
Und doch so heilig.
Nimm das Wasser.
Nimm das Tuch.
Fang an.
Einführung zu den Meditationen
Bildausschnitt: Hungertuch von Konstanze Trommer, (c)Misereor
Texte: Hannah Braucks, Misereor






