Zukünftige Wärmeversorgung im regensburger Westen nimmt Form an

4.10.2026

Infoabend zur zukünftigen Wärmeversorgung der Stadt Regensburg und im Inneren Westen, veranstaltet vom Arbeitskreis KiRUM (Kirchliches Umweltmanagement) der Pfarrei Herz Marien

Am 29.9.2026 fand im kleinen Pfarrsaal eine Infoveranstaltung zur zukünftigen Wärmeversorgung der Stadt Regensburg statt. Der Arbeitskreis Kirchliches Umweltmanagement KiRUM hatte hierfür als Referenten Herrn Michael Bachseitz, Stadtentwicklungsplaner der Stadt Regensburg, gewonnen. Dieser erläuterte die bereits begonnenen Planungen zum Wärmenetz der Stadt Regensburg und gab kompetente Antworten zum Thema Wärmepumpe, Gasheizung und Fernwärme.

Die wesentlichen Erkenntnisse und strategischen Leitlinien der Informationsveranstaltung zur kommunalen Wärmeplanung (KWP) in Regensburg erhalten Sie hier in einer kurzen Darstellung.

‍

Kerninhalte der Wärmeplanung

Regensburg verfolgt das Ziel einer klimaneutralen Wärmeversorgung bis spätestens 2045. Die strategische Planung basiert auf einem „digitalen Zwilling“ des Stadtgebiets, der Gebäudedaten, Verbräuche und Infrastrukturen vernetzt.

‍

‍

Strategische Gebietsausweisung

* Wärmenetzgebiete: Hohe Wärmedichte, besonders im Regensburger Westen und in Clustern wie Universität/Klinikum. Hier sind zentrale Lösungen wirtschaftlich sinnvoll.

* Dezentrale Gebiete: Hier müssen Eigentümer individuelle Lösungen (vorrangig Wärmepumpen) umsetzen.

* Prüfgebiete: Die Altstadt stellt aufgrund von Denkmalschutz und archäologischen Bodendenkmälern eine besondere Herausforderung dar. Hier wird ein Mix aus punktuellen Wärmenetzen, dezentralen Luftwärmepumpen und einem dekarbonisierten Gasnetz (Biomethan) geprüft.

In seinem Vortrag stellte Herr Bachseitz das Projekt Regensburg West in den Fokus.

Die REWAG und Bayernwerk planen ein großflächiges Wärmenetz im Westen. Als Hauptwärmequelle wird Grundwasser erschlossen, wofür aktuell Probebohrungen am Westbad (sechs geplante Wärmepumpen) stattfinden.

‍

Realisierungsschritte Wärmenetz West

Von der Genehmigungsplanung 2024 über den Baubeschluss im Jahr 2025 und den Tiefbau & Akquise von 2026 -2028 ist ein Erstanschluss im Jahr 2029 vorgesehen.

Des Weiteren erläuterte Herr Bachseitz vor allem die Faktoren Wirtschaftlichkeit und Regulatorik des Vorhabens.

Der Umstieg wird durch das Gebäudeenergiegesetz (GEG) und das Wärmeplanungsgesetz flankiert.

  • Fördermöglichkeiten: Eigentümer können Zuschüsse von bis zu 70% (einkommensabhängig bis zu 80%) für den Heizungstausch oder den Netzanschluss erhalten.
  • Kostenstruktur: Ein Fernwärmeanschluss kostet überschlägig 700 bis 1000 € pro laufenden Meter, abhängig von der Oberflächenbeschaffenheit (Asphalt vs. Grünfläche).
  • Risiko fossiler Heizungen: Der Einbau neuer Gas- oder Ölheizungen unterliegt ab 2029 einer stufenweisen Pflicht zur Beimischung biogener Brennstoffe (15% in 2029 bis 60% in 2040). Steigende CO2-Preise und höhere Netzentgelte durch sinkende Nutzerzahlen im Gasnetz erhöhen das finanzielle Risiko für Bestandssysteme.

In seinem Vortrag ging Herr Bachseitz angeregt durch viele Nachfragen aus dem Publikum auf die nachfolgenden Punkte besonders ein und empfahl folgende Handlungsschritte:

  1. Statusprüfung: Bürger sollten das Geoportal der Stadt Regensburg nutzen, um die Zonierung ihres Grundstücks (Wärmenetz vs. Dezentral) zu prüfen.
  2. Beratung: Nutzung des städtisch bezuschussten Beratungsangebots „Regensburg effizient“ (Kooperation mit Energieagentur und Verbraucherservice). Der Eigenanteil für Vor-Ort- Beratung liegt bei 40 €.
  3. Interessensbekundung: Potenzielle Anschlussnehmer in Wärmenetzgebieten sollten sich frühzeitig bei der REWAG melden, um die Planungssicherheit zu erhöhen und Netzkosten durch hohe Anschlussdichte zu senken.

Nicht zuletzt sprach Herr Bachseitz auch folgende offene Diskussionspunkte an:

  • Biomasse-Anteil: Es besteht Skepsis hinsichtlich der ökologischen Nachhaltigkeit und Verfügbarkeit von Pellets/Hackschnitzeln im großen Maßstab. Die Stadt plant, diesen Anteil so gering wie möglich zu halten.
  • Kühlung: Standard-Wärmenetze bieten keine Kühlfunktion. Dies wäre nur über „Kalte Nahwärme“ realisierbar, was im Bestand jedoch komplexe Anpassungen der Haustechnik erfordert.
  • Mieterschutz: Bei neuen fossilen Heizungen werden CO2-Kosten und Biogas-Mehrpreise ab 2025/2029 gesetzlich zwischen Vermieter und Mieter aufgeteilt, um Fehlanreize zu vermeiden.

Das große Interesse an diesem Thema zeigte sich vor allem an der hohen Besucherzahl. Ca. 50 Besucher kamen zu diesem Vortrag und beteiligen sich mit fundierten Fragen an den Referenten an der Diskussion. Dem Referenten gelang es vortrefflich, die Strategie und Vorgehensweise der Stadt Regensburg für die uns alle betreffenden Veränderungen in der Wärmeversorgung fundiert und informativ darzustellen. Damit hat er sichtlich den Nerv der anwesenden Zuhörer getroffen und sie nachhaltig für dieses wichtige Thema sensibilisiert.

Autoren: Martina Prucker, Thomas Konetzny

‍

Falls Sie an detaillierteren Informationen aus dem Vortrag zum Thema Wärmeplanung interessiert sind, melden Sie sich gerne zum Newsletter von Herz Marien an, die nächste Ausgabe erscheint in ca. 3 Wochen.

‍

‍

Bilder: Thomas Konetzny, Grafik zur Verteilung des Wärmeverbrauchs mit KI-Unterstützung

No items found.

Über den Autor
Martina Prucker

Letzte Veröffentlichungen

Das könnte Sie ebenfalls interessieren

Sonntagsmessen weiter um 10 Uhr

Dies und weitere Änderungen orientieren sich noch eine Zeit lang aus organisatorischen Gründen an der Ferienordnung. Lesen Sie mehr dazu...

Pfarrer Heinrich Börner
2 min
Caritas Herbstsammlung 2026

Aufruf der Caritas für die Herbstsammlung 2026 in den Kirchen-Kollekten am So. 27.09. unter dem Motto "Auf die Menschlichkeit kommt es an"

Theo Schmid
KEB - Veranstaltungen September bis Dezember 2026

Neues Veranstaltungsprogramm der KEB Regensburg Stadt erschienen. Viele interessante Angebote von September bis Dezember 2026.

Gerlinde Maß
2 min